The Great Replacement

„The Great Replacement“? War da irgendwas? Ja genau, da war doch dieser Attentäter in Neuseeland, der 51 Moslems ermordet hat und sein Manifest so benannte. Die Tagesnachrichten sind mittlerweile schon länger über das Thema hinweg. Zeit also, die Sache Rückblickend zu betrachten: Im Namen des „Grossen Austausches“ werden Menschen umgebracht, das hat der Attentäter von Christchurch bewiesen, weshalb der Begriff nun diskreditiert ist und man besser nicht mehr davon sprechen sollte, wenn man sich nicht als Nazi, Rassist oder Terrorist zu erkennen geben will. Richtig? Falsch!

Der grosse Austausch findet statt, ob der Mörder von Christchurch sein Manifest danach benannte oder nicht, ist dabei völlig irrelevant. Es ist müssig zu sagen, der Attentäter sei einfach ein Irrer gewesen und seine Tat hätte nichts mit rechten, nationalistischen, identitären, pro-weissen (man suche sich eine Schublade aus) Ideen zu tun gehabt. Wir sind keine Moslems, Linken oder Liberalen, die nach jedem Jihadi der sich irgendwo auf der Welt in die Luft gesprengt, Menschen niedergefahren, niedergeschossen oder niedergestochen hat, rufen: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun!“ Doch, diese Gotteskrieger sind vom Koran beeinflusst und sie können sich nicht nur auf Stellen im Koran berufen, die das niedermetzeln von Ungläubigen gutheissen, sondern auch auf die islamische Expansion, die durch den Glaubensgründer initiiert wurde und das rechte Wort mit dem Schwert verbreitet hat – und dies sehr effizient. Man vergleiche nur einmal die Verbreitung des Christentums 120 Jahre nach dem Kreuztod des Erlösers und die Verbreitung des Islams, 120 Jahre nach der Himmelfahrt des Propheten. Nein, der Attentäter in Neuseeland hatte eine rechte Ideologie und er wurde, ob direkt oder indirekt, in seinem Denken von rechtsintellektuellen Vordenkern geprägt – und hat dann die falschen, unmoralischen, unethischen und verbrecherischen Schlüsse daraus gezogen, die weltweit für Schlagzeilen sorgten und 50 Menschen das Leben kosteten. Im Gegensatz zum Gedankengebäude kann man die Tat aber nicht rechten Vordenkern in die Schuhe schieben (so wie das nun von allen Seiten getan wird) welche die Einwanderungssituation in vielen europäischen Ländern beschreiben und kritisieren. Oder anders gefragt: Wie viele Kernkraftgegner sind der Meinung, dass ihr Anliegen wegen des sogenannten Ökoterroristen Camenisch diskreditiert ist, weil dieser Hochspannungsleitungen in die Luft gesprengt und auf Polizisten geschossen hat?

Warum aber zieht man nun einen Renaud Camus durch den Dreck, der den Begriff des „Grand Remplacement“ geprägt hat, weil er sich in seinem Frankreich immer fremder fühlt? So schreibt Felix E. Müller in der NZZ am Sonntag:

Er [Camus] weist denn auch in Interviews jede Mitschuld am Massaker von Christchurch von sich, obwohl der Täter zur Begründung seiner Tat den Titel seines Buchs verwendete. In der Zeitung „Le Parisien“ sagte er: „Ich sehe nicht ein, warum ich ihn (zum Massenmord) inspiriert haben sollte. Sein Verbrechen ähnelt doch vor allem den Terroranschlägen, die in den letzten Jahren in Frankreich verübt wurden.“ Das heisst: Schuld sind doch die Islamisten!“1

Das liest sich so, wie wenn der NZZ-Autor der Meinung ist, Camus hätte Verantwortung übernehmen sollen, schliesslich hat er ja den Begriff des „Grossen Austausches“ geprägt. Auf stern.de lesen wir:

Der französische Autor Renaud Camus griff diese Verschwörungstheorie in seinem 2001 erschienenen Buch “Le grand remplacement” (Der große Austausch) auf. Darin heißt es: “Frankreich ist dabei, unter muslimische Herrschaft zu geraten.” Dagegen rät Camus unter anderem, das französische Staatsangehörigkeitsrecht zu verschärfen, Familiennachzug zu verbieten und Sozialleistungen nur noch an Europäer auszuzahlen. Nach dem tödlichen Anschlag vom Freitag zeigte sich Camus kleinlaut. Er bezeichnete die Angriffe als “terroristisch, entsetzlich, kriminell, verheerend und sehr dumm”“2

Ist bei den oben zitierten Lösungsvorschlägen Camus´ etwa irgendwo der Ratschlag „in Moscheen gehen und betende Moslems niederschiessen“ aufgelistet? Warum also sollte Camus eine Mitverantwortung für das Massaker tragen? Doch nur deshalb, weil man nach Christchurch von interessierter Seite versucht, das Beschreiben von offensichtlichen Prozessen in einem Aufwasch mit dem Attentäter zu kriminalisieren. Und in der Tat erinnert das Attentat von Neuseeland an islamische Attentate in Europa, etwa jenes im Bataclan. Der Täter soll in seinem Manifest als Motivation für sein Mordenunter anderem tatsächlich auch islamische Terroranschläge in Europa genannt haben. Der Verweis von Camus auf die Islamisten ist also völlig korrekt. Wir haben es hier mit einer Spiegelung zu tun. Wie perfide in der Mainstreampresse gearbeitet wird zeigt auch, wenn Camus´ Kommentar zum Massaker als „kleinlaut“ bezeichnet wird. Wie wenn Camus nun einen Gang zurückschalten und sich Asche auf sein Haupt streuen müsste. Dass seine Bezeichnung des Attentats als „terroristisch, entsetzlich, kriminell, verheerend und sehr dumm“ einfach seiner ehrlichen ethischen und moralischen Überzeugung entspringen könnte, ist für gewisse Schreiberlinge wohl keine Option.

Ein weiterer Punkt welcher im Zusammenhang mit dem „Grossen Austausch“ auch permanent genannt wird ist, wie aus dem stern.de Zitat ersichtlich, dass es sich dabei um eine Verschwörungstheorie handeln soll. Auf der englischen Wikipedia ist zu lesen, der „Grosse Austausch“ sei eine : „nationalist right-wing conspiracy theory […] popularised by Renaud Camus in his 2012 book The Great Replacement.“3 Lesen wir bei Camus selbst nach, was er zur Urheberschaft des „Grossen Austausches“ zu sagen hat, liest man allerdings von Verschwörung nichts:

Abgesehen von sehr allgemeinen Feststellungen interessiere ich mich herzlich wenig für die genaue Markierung der Verantwortung unserer fatalen Lage. […] Ich glaube kaum, dass sich eines schönen Tages eine Gruppe von mächtigen und übelwollenden Personen in einem Büro, einem Salon oder einem Konferenzsaal getroffen hat, um zu beschliessen, Frankreich und sämtlichen Ländern Europas eine radikale Umwandlung ihrer Bevölkerung aufzuzwingen. In jedem Fall scheinen mir in unserem Land die rechten und linken Regierungen gleichermassen Verantwortung zu tragen.“4

Aber man kann natürlich jede Feststellung und jeden Gedanken als Verschwörungstheorie abtun, der nicht ins eigene Weltbild passt. Fragt sich, ob Sätze wie die folgenden auch eine Verschwörungstheorie darstellen:

Der Bevölkerungszuwachs der Personen schweizerischer Staatsangehörigkeit ist langsam und hängt seit den 1970er-Jahren in erster Linie von der Zahl der Einbürgerungen ab; der Geburtenüberschuss ist nicht ausreichend, um die Bevölkerung zu erneuern. Die Entwicklung der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung rascher, aber unregelmässiger. Sie schwankt je nach den Bedürfnissen der Wirtschaft und der politischen Lage.“5

Seit 1971 zeigt die zusammengefasste Geburtenziffer teilweise grosse Unterschiede zwischen Schweizerinnen und Ausländerinnen. Im Durchschnitt bringen Ausländerinnen mehr Kinder zur Welt als Schweizerinnen.“6

Halten wir fest, dass 1. das Schweizervolk seit den 70er- Jahren nicht nur lediglich nicht mehr wächst, sondern sogar eine Schrumpfungsprozess eingeleitet wurde, dass 2. die trotzdem grösser werdende Gruppe von Leuten mit Schweizer Staatsbürgerschaft ihr Wachstum vor allem Einbürgerungen zu verdanken hat und 3. hier lebende Ausländerinnen mehr Kinder zur Welt bringen als Schweizerinnen. Das beschreibt eigentlich nichts anderes als den „Grossen Austausch“ der in unserem Land schon länger abläuft. Die obigen Zitate stammen aber nicht von irgendwelchen durchgeknallten Verschwörungstheoretikern, sondern vom Bundesamt für Statistik. Camus beschreibt zwar einen Austausch durch nicht-europäische Menschen, allerdings sind für den Autor dieser Zeilen auch die europäischen Völker im einzelnen erhaltenswerte ethnokulturelle Entitäten. Ein Spanier ist nun mal kein Schwede und ein Ukrainer kein Schotte. Auch wenn sich Europäer aufgrund der geringeren kulturellen und ethnischen Distanz tendenziell einfacher in andere europäische Völker einfügen können, so ist doch eine grossangelegte Durchmischung der europäischen Völker nicht wünschenswert und der Austausch der heimischen Bevölkerung durch Fremde nichts anderes als eine riesengrosse Ungeheuerlichkeit. Oder was würde es beispielsweise rechtfertigen, das isländische Volk in einem Prozess, der gut und gerne auch 200 Jahre dauern kann, durch Völker wie die Italiener, Spanier, Serben, Albaner und Portugiesen zu ersetzen? Nichts! Und dazu muss man Italiener noch nicht einmal hassen. Nein, man kann die Italiener als Volk und grossartige Kulturträger in Europa sogar mögen und trotzdem nicht wollen, dass sie das isländische Volk ersetzen, verdrängen oder in seiner ethnischen Ausformung verändern.

Der „Grosse Austausch“ beschreibt ein reales Phänomen, auch wenn er sich nicht in zwei Generationen vollzieht. Das mag vielleicht den Horizont von Politikern überschreiten, welche gerade einmal bis zur nächsten Wahl denken können, unwahr wird es dadurch nicht. In der Schweiz ist der Prozess weiter in vollem Gange. So hat die Zahl der dauerhaft in der Schweiz lebenden Ausländer von Ende 2013-18 um gut 130.000 Personen zugenommen. Dies obwohl im selben Zeitraum nicht weniger als 200.000 Menschen eingebürgert wurden. Diese Menschen verschwinden nicht nur aus der Ausländerstatistik, sondern werden künftig zu den Schweizern gerechnet. In der Statistik nicht eingerechnet sind Asylbewerber, solange sie keinen positiven Asylentscheid bekommen haben, oder jene die lediglich „aus humanitären Gründen“ eine „vorläufige Aufnahme“ erwirken konnten (was faktisch eigentlich „für immer“ heisst). Das waren in den letzten Jahren noch einmal zwischen etwa 7500 und 20.000 Personen, die vorwiegend aus dem arabischen und afrikanischen Raum stammen. Wer denkt, dies sei für die Schweiz auf Dauer zu verkraften, der sollte sich einmal die Zusammensetzung des Schweizervolkes anschauen. 21.7 % der Menschen mit einem Schweizerpass sind 65 oder älter. Bei der derzeitigen Lebenserwartung dürfte in 20 Jahren das Gros dieser Leute weggestorben sein. Bei den Ausländern umfasst diese Gruppe lediglich acht Prozent. Das heisst, die Schweizer gebären im Schnitt nicht nur weniger Kinder als Ausländer, sondern es werden in den nächsten Jahren auch wesentlich mehr von ihnen sterben. In Zahlen umfasst diese Gruppe bei den Schweizern 1.381.523 Menschen, während es bei den Ausländern 168.842 Personen sind. Dahingegen ist der durchschnittliche Einwanderer aus Eritrea zwischen 15 und 30 Jahren alt. Auf die Gesamtbevölkerung betrachtet scheint man ein paar Tausend Einwanderer vom afrikanischen Kontinent als vernachlässigbar bezeichnen zu können. Bei der Einwanderung muss aber immer auch die demographische Komponente im Auge behalten werden. Wenn die einheimische Bevölkerung im Schnitt wesentlich älter ist als die einwandernden Völker, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem sich die Bevölkerungszusammensetzung ziemlich schnell ändert. Aus 25% Ausländern werden dann schnell einmal 30 – 40 Prozent. Perfiderweise wird der Anteil der Ausländer durch die hohe Anzahl von Einbürgerungen jedes Jahr permanent gedrückt. Wobei an dieser Stelle nicht einmal geleugnet werden soll, dass die Möglichkeit der Integration und Assimilation in einem gewissen Mass durchaus gegeben ist, zumindest bei ethnisch und kulturell nahestehenden Völkern. Wie dem auch sei, man kann es drehen und wenden wie man will, alle Trends, die nun doch schon seit mehreren Dekaden anhalten, weisen darauf hin, dass die Schweizer in ihrem eigenen Land zu einer Minderheit und durch Ausländer ersetzt werden – je länger je mehr auch durch Einwanderer aus dem aussereuropäischen Raum. Ceteris paribus heisst das: die Schweizer sterben nicht nur aus, sondern werden auch fortlaufend ersetzt, sprich „ausgetauscht“.

Nicht anders läuft dies in anderen von Europäern besiedelten Gebieten. Die USA als Staat waren bis weit nach dem zweiten Weltkrieg ein Land, das zu 90% von Weissen (also Menschen europäischer Abstammung) bewohnt wurde. Erst 1965 wurde das Quotensystem bei der Einwanderung abgeschafft, welches diese demographische Zusammensetzung des Landes erhalten sollte. Notabene wurde in der damaligen Debatte von den Befürwortern behauptet, die Abschaffung dieser Quoten würden das Angesicht der USA nicht gross verändern. Mittlerweile geht man davon aus, dass bis im Jahr 2044 die Weissen in den USA eine Minderheit sein werden. Von einer 90 prozentigen Mehrheit zu einer Minderheit in weniger als 100 Jahren! Weisse Briten sind in London jetzt schon eine Minderheit.7 Für die Zeitspanne von 2040-2050 wird erwartet, dass zwischen 20 und 30% der Einwohner Englands nicht mehr weiss sind, während der Oxford Professor David Coleman der Meinung ist, dass weisse Briten bis 2066 im ganzen Vereinigten Königreich eine Minderheit sein werden, wenn die demographischen Trends bleiben wie sie sind.8 Einige Analysten sagen Schweden für Mitte der 60er Jahre dieses Jahrhunderts dasselbe Schicksal voraus.9 Die USA, England und Schweden gehören zu den sich am schnellsten wandelnden Länder, aber dieses demographische Schicksal droht allen kulturell und ethnisch europäisch geprägten Ländern, zumindest den Ländern, die ehedem auf der kapitalistischen Seite des Eisernen Vorhangs zu verorten waren.

Die Fakten sind dermassen offensichtlich, dass der grosse Austausch heute selbst von einigen Linken als Tatsache anerkannt wird. So meinte etwa der in Deutschland aufgewachsene und nun in Harvard lehrende polnische Jude Sacha Mounk zur Zeit der Flüchtlingskrise 2015: „In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monotheistische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, daß es funktionieren muß.“ Die hiesigen Völker werden also zu Versuchskaninchen in einem Experiment degradiert, dessen Ausgang unbestimmt ist, aber letztlich nur ein Resultat zulässt, weil uns ansonsten wahrscheinlich der ganze Laden um die Ohren fliegt. Es ist gar keine Rede mehr von Integration. Jahrzehnte lang wurde den Völkern ja eingeredet, dass sich die Fremden integrieren würden, nun sind wir es, die Ihre Identität wandeln müssen. Dass wir uns neu definieren müssen, dieser Meinung ist auch der „kanadische“ Politikwissenschaftler Eric Kaufmann. In einem Weltwoche Artikel werden seine Thesen besprochen. Die Bevölkerung Europas werde sich von einer weissen Mehrheit in eine hybride gemischte Bevölkerung verwandeln. Diese Entwicklung sei nicht aufzuhalten, da Menschen dazu tendieren würden, sich durch Heirat zu vermischen. Wobei dies schon eine äusserst fragwürdige Aussage ist, die später im Artikel selbst relativiert wird. Kaufmann ist der Meinung, dass ein tabuisieren dieses Wandels schädlich sei, obwohl es sich um ein heikles Thema handle. Die Weltwoche meint dazu: „Kaufmann kann es sich leisten, weil er in Kanada aufgewachsen ist und asiatische, jüdische und lateinamerikanische Vorfahren hat, mithin den globalen Typ verkörpert.“10 Womit wir schon beim Hauptproblem der Debatte über das Ende der Europäer sind: für Weisse ist es offenbar äusserst heikel, sich Gedanken zu ihrer drohenden Vernichtung und Auflösung in multirassischen Staaten zu machen, geschweige denn diese zu äussern. Um dies einigermassen gefahrlos machen zu können, muss man mindestens den ethnischen Hintergrund eines Eric Kaufmann haben. Nun, mit der demographischen Prognose Kaufmanns stimmen wir noch überein, die vorhandenen Zahlen und Fakten lassen keinen anderen Schluss zu und die demographische Entwicklung eines Landes ist wesentlich einfacher vorauszusagen als das Klima in 80 Jahren, weil es weniger und besser bekannte Variablen gibt. Merkwürdig nur, dass für den Klimawandel Milliarden ausgegeben werden, während das drohende Verschwinden der Europäer ein tabuisiertes Themenfeld ist. Irgendwie ahnt man aber schon zu Anfang des Artikels die anderen Schlussfolgerungen Kaufmanns. Denn warum auch sollte ein multiethnisches Individuum, das in Hongkong geboren wurde, seine frühen Jahre in Tokyo verbrachte, den Rest seiner Jugend in Kanada lebte und nun in England doziert, zu denselben Schlüssen kommen wie jemand, der eine kontinuierliche alemannische Abstammung hat, sich in seiner angestammten Kultur wohl fühlt und im selben Land lebt, in dem seine Vorfahren schon vor Jahrhunderten die Felder bestellten?

Kaufmann spricht von drei Markern, welche Menschengruppen unterscheiden würden: Das Aussehen, die Sprache und die Religion (und damit zusammenhängende kulturelle Eigenheiten). Wobei Kaufmann hier einer egalitaristische Täuschung (oder Selbsttäuschung?) das Wort spricht. Es ist natürlich bei weitem nicht nur das Aussehen, das Menschengruppen in biologischer Hinsicht voneinander unterscheidet. Gruppenspezifische Unterschiede manifestieren sich nicht nur an Äusserlichkeiten, sondern auch in Verhaltensweisen und Fähigkeiten wie Intelligenz, Impulskontrolle, körperlicher Leistungsfähigkeit usw. Obwohl diese Unterschiede heute bestens dokumentiert sind, werden sie von interessierter Seite entweder geleugnet, oder als Resultat rassistischer Politik dargestellt. Der Glaube, menschliche Gruppen hätten sich, von ein paar Äusserlichkeiten abgesehen, überall auf der Welt völlig identisch entwickelt, obwohl verschiedene Umwelten gemäss der Evolutionstheorie verschiedene Anpassungen erfordern, hält sich aber offensichtlich hartnäckig, mit all seinen fatalen Folgen für das Zusammenleben der Menschen. Kaufmann glaubt nun aus seiner linken Perspektive heraus, dass die Massenhafte Einwanderung von Nichteuropäern zu keinem tiefgreifenden Wandel der westlichen Gesellschaften führen müsse, obwohl er dies (so ehrlich ist er) auch nicht ganz ausschliessen könne: „Ein mehr oder weniger intaktes westliches Wertesystem könne aber die neuen Impulse von ethnischen Minderheiten absorbieren.“ Als Beispiel dafür wird in der Weltwoche tatsächlich folgendes zitiert: „Schwarze, weisse und asiatische Briten akzeptieren ihn [die britische Flagge „Union Jack“) als Symbol, auch wenn er für die einen Tradition bedeutet und für andere ein funktionierendes Sozialsystem“. Für die einen ist der Union Jack also Teil ihrer Identität, für die anderen bedeutet er letztlich gefüllte Futtertröge und das wird vom diesem Politikwissenschaftler ernsthaft als ein gelungenes Beispiel von menschlicher Identifikation angeführt? Und was passiert, wenn die Futtertröge einmal leergefressen sind? Noch absurder wird es, wenn wir Kaufmanns Lösungsvorschlägen folgen. Denn er will diese Entwicklung nicht „teilweise unterdrücken“ wie das Konservative tun, nicht tabuisieren, wie das viele Linke machen und er will auch nicht, dass die schwindende weisse Mehrheit vor der Entwicklung flüchtet und sich in Vorstadtgemeinden zurückzieht. Kaufmann favorisiert eine vierte Variante: Die Europäer sollen sich mit den Zuwanderern vermischen, ohne dass dabei aber die westlichen Traditionen geopfert werden. Er hält diese Vermischung für zwingend, obwohl er anfügt, dass es in Südafrika bspw. nur zögerlich zu einer Vermischung von Schwarzen und Weissen komme, weil die Weisse Minderheit dort relativ gross sei. Um sich das einmal zu veranschaulichen; der Anteil Weisser an der Südafrikanischen Bevölkerung beträgt ca. 8 Prozent. Das heisst, damit die von Kaufmann herbeigesehnte Vermischung stattfinden würde, müsste der Anteil der Europäer in ihren jeweiligen Heimatländern auf unter 8 Prozent gedrückt werden. Wie der kanadisch-hispanisch-jüdisch-asiatische Politikwissenschaftler irgendwie europäische Werte aufrecht erhalten will, während dem diejenige ethnische Gemeinschaft, welche diese Werte hervorgebracht hat, demographisch marginalisiert wird, bleibt ein Rätsel, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Leute in der Regel nicht etwa nach Europa kommen, weil sie Liebhaber oder Bewunderer von Aristoteles, Descartes, Tolstoi, Bach oder Dunant wären, sondern weil sie hier schlicht bessere materielle Lebensbedingungen vorfinden, oder, wie Kaufmann es sagt, den Union Jack mit einem funktionierenden Sozialstaat gleichsetzen. Man wird den Verdacht nicht los, dass hier ein weiterer Linker bemerkt hat, dass man den grossen Austausch nicht länger verleugnen kann und, frei nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, versucht, die Europäer von der Unausweichlichkeit ihrer langsamen, aber steten Vernichtung zu überzeugen. Ein kurzer Blick in den Klappentext seines Buches Whiteshift (von der Weltwoche als Verblassen übersetzt) bestätigt diese Vermutung vollumfänglich. Dort steht: „Eine der entscheidendsten Herausforderungen unserer Zeit ist, es sowohl Konservativen als auch Kosmopoliten zu ermöglichen, whiteshift (also das Verschwinden, Verblassen, Schrumpfen der weissen Mehrheitsbevölkerung) als eine positive Entwicklung zu betrachten.“ Sie haben richtig gelesen! Nicht nur soll uns das Verschwinden unserer europäischen Völker und unserer Rasse nicht kümmern, wir sollen es sogar begrüssen! Was für ein Wahnsinn steckt hinter einer solchen Aussage? Aber halt, es ist alles gar nicht so schlimm, vielleicht gelingt es uns ja, Goethe und die Gewaltentrennung ins künftig braune Europa hinüber zu retten. Da können wir ja erleichtert sein, für unsere Kindeskinder gibt es zwar keine Zukunft mehr in ihrer Heimat, aber wenigstens wird die sino-arabisch-afrikanische Mehrheitsgesellschaft im künftigen Europa noch den Faust lesen (oder vielleicht eher den West-östlichen Divan?). Schliesslich, so lesen wir im Artikel weiter, gäbe es ja auch bald keine indigenen Hawaiianer mehr, aber es existiere doch noch so etwas wie ein hawaiianische Wertesystem, etwa eine „romantische Naturverbundenheit“. Die hwaiianische Insel Niʻihau hingegen, auf welcher noch die authentischste Lebensweise der Polynesier herrscht, lebt in relativer Isolation, damit die Bewohner genau diese Authentizität leben können und nicht irgendein Klischee von Fremden nachgeäfft wird, die dann behaupten, sie wären Hawaiianer. Und zu guter Letzt prognostiziert Kaufmann auch, dass die Weissen nicht gänzlich aussterben werden. So würden in kleiner Zahl überleben. Dass dies gelingen könne, zeigten doch die Amischen in den USA, die sich dort immerhin seit dem 17. Jahrhundert hätten halten können. Das sind doch erstklassige Aussichten die uns Kaufmann präsentiert: Die letzten Schweizer können sich ja dann ins Freilichtmuseum Ballenberg zurückziehen, und dort vielleicht noch weitere 400 Jahre – abhängig vom guten Willen der sie umgebenden multirassischen nicht europäischen Mehrheitsgesellschaft – ein gemütliches Dasein als Relikte längst vergangener Tage fristen.

Vollends in sophistische Taschenspielertricksereien flüchtet sich Kaufmann, wenn er die Europäer quasi wegdefinieren will:

Wichtiger als das „Überleben der Weissen“ ist jedoch die Frage nach deren Definition: Kaufmann verweist richtigerweise auf den genetischen Mix der Europäer, der sich aus einer bunten Palette von Herkunftsregionen zusammensetzt – vom Kaukasus über den Nahen Osten bis zum Maghreb.“

Das Argument läuft natürlich, zu Ende gedacht, darauf hinaus, dass jeder Europäer sein kann, da die Europäer keine reine Rasse darstellen, was natürlich kaum jemand bestreitet. Dies ist auch der Grund, warum, wie oben schon erwähnt, eine komplette Durchmischung sämtlicher Europäer schon ein immenser Verlust an Vielfalt bedeuten würde. Denn obwohl die Europäer alle recht nahe miteinander Verwandt sind, zeigen sich regionale Unterschiede, weil die Einwanderer, die im Neolithikum aus Anatolien kamen und die nomadisierenden indoeuropäischen Stämme aus der pontischen Steppe ihre Gene nicht ganz gleichmässig über den Kontinent verteilten. Aber diese Einwanderungswellen waren für die Europäer konstitutiv. Es bildete sich aus deisen Gruppen ja erst der Europäer. Aber lassen wir dies einmal ausser Acht, so schiesst sich der kanadische Politikwissenschaftler, der ja gerne die europäische Kultur retten möchte, mit dieser Argumentation letztlich selbst ins Bein. Denn die Einwanderer aus Anatolien (die natürlich keine Türken waren) und die Indoeuropäer brachten beide male einen immensen kulturellen Umschwung. So verdanken wir ersteren den Ackerbau und letzteren einen Grossteil der europäischen Sprachen. Es zeigt sich also, dass massive Einwanderung oft mit grossen Verschiebungen in der Lebensweise der Menschen einhergeht. Die oben beschriebene Genese brachte einen einzigartigen und distinkten Menschenschlag hervor, der eine Kultur schuf, welche Kaufmann offensichtlich als erhaltenswert betrachtet. Warum er aber die physische Vernichtung der Schöpfer und Träger genau dieser Kultur als etwas Positives darstellen will, erschliesst sich einem nicht.

Letztlich stellt Kaufmanns Vision des neuen Europas nichts anderes dar als eine weitere Facette des Great Replacement, des grossen Austauschs dar. Der Austausch der Europäer lässt sich nicht länger leugnen, die Zahlen sprechen für sich, auch wenn der Zeithorizont der Entwicklung weiter ist, als sich viele Menschen gewohnt sind zu denken. Wenn man die Entwicklung nicht mehr unterschlagen kann, geht man zum nächsten Schritt über; man propagiert sie als etwas Begrüssenswertes. Denn Kaufmann will die Diskussion über den grossen Austausch nicht im Meer der politischen Korrektheit ersäufen. Er will, so sagt er zumindest, eine offene Debatte. Wir wollen auch eine offene Debatte. Die Europäer werden weniger, was angesichts der grossen Bevölkerungsdichte auf unserem Kontinent bis zu einem gewissen Grad nicht einmal schlimm ist. Wir halten es da mit Václav Klaus, der die Vorstellung ganz entschieden zurückweist, „dass es eine Planzahl von Menschen gäbe, die unseren Kontinent zu bevölkern hätten. So etwas kann nur dem weltfremden Denken eines Sozialingenieurs entspringen.“11 Tödlich wird die Entwicklung dort, wo die schrumpfende europäische Bevölkerung durch Fremde ersetzt wird (also eigentlich in ganz Westeuropa). Dieser Entwicklung gilt es entschieden entgegenzutreten. Es gibt kein rationales Argument, warum die Vernichtung unserer Völker eine gute Sache sein soll. Deshalb werden wir weiterhin den grossen Austausch dort anprangern und benennen, wo er stattfindet, egal wie viele Schüsse jemand abfeuert, der seinen moralischen Kompass verloren hat, egal wie schmackhaft uns jemand unser Verschwinden aus der Geschichte machen will und egal welches Etikett die Feinde unserer Völker uns anheften wollen.

1Felix E. Müller, Französische Vordenker inspirierten rechten Massenmörder, in NZZ am Sonntag 7. April 2019, S.63. [Hervorhebungen d. d. Verf.]

2https://www.stern.de/politik/ausland/verschwoerungstheorie-des-christchurch-moerders—der-grosse-austausch–8623972.html

3https://en.wikipedia.org/wiki/The_Great_Replacement

4Renaud Camus, Revolte gegen den grossen Austausch, Schnellroda 2016, S. 61.

5https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/stand-entwicklung/alter-zivilstand-staatsangehoerigkeit.html

6https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/geburten-todesfaelle/fruchtbarkeit.html

7https://www.nzz.ch/weisse-briten-in-london-in-der-minderheit-1.17890180

8https://www.telegraph.co.uk/news/uknews/immigration/10032296/White-Britons-will-be-minority-by-2066-says-professor.html

9https://gefira.org/en/2018/07/27/sweden-will-remain-sweden-but-in-name/

10Rolf Hürzeler, Sterben die Weissen aus?, in: Die Weltwoche Nr 18. 19, S. 50.

11Václav Klaus, Jirí Weigl, Völkerwanderung, Kurze Erläuterung der aktuellen Migrationskrise, Leipzig 2016, S.66.