Lebenslauf-Dr. Walter Marinovic

 

8. August 1929 (Wien) – 10. September 2021 (Zwettl)

 

Seine Vorträge waren immer ein Hochgenuß, er sprach wie ein Dichter, und sein umfassendes Wissen beeindruckte die Zuhörer immer wieder aufs neue. Als Referent war er in Deutschland, der Schweiz und natürlich in seinem Heimatland Österreich ein gefragter Redner. Das Themenangebot war vielfältig: Kunst, Kultur, Philosophie, Dichtung; über aktuelle politische und zeitgeschichtliche Themen wußte er ebenso zu berichten. Er – Dr. Walter Marinovic.

Walter Marinovic wurde am 8. August 1929 in Wien geboren. Mit gerade 15 Jahren holte ihn der Zweite Weltkrieg von der Schulbank. Nach einem Wehrertüchtigungslager erlebte er das Kriegsende am 8. Mai 1945 in Prag. Dem tschechischen Aufstand entkommen, schlug er sich zu den US-amerikanischen Linien durch und kehrte nach mehrmonatiger Kriegsgefangenschaft, gerade 16 Jahre geworden, in das zerstörte Wien zurück. Bei seiner Rückkehr nach Wien erfuhr er, daß sein Vater vermißt sei. Von ihm hat er nie wieder etwas gehört. Seine Erfahrungen als Jugendlicher in der Kriegszeit verarbeitete er in seinen Erinnerungen „Mit 16 Jahren“, welche Jahrzehnte später auch veröffentlicht wurden.

1947 schloß Walter Marinovic, mit einer Auszeichnung, die Matura ab.  Nach einem Studium der Germanistik und klassischen Philosophie und der Promotion 1952 (mit einer Dissertation über „Der Witz bei Nestroy“) arbeitet er 37 Jahre lang als Gymnasialprofessor für Deutsch und Latein in seiner Heimatstadt Wien.

Stets ein Vorkämpfer für den Erhalt des humanistischen Gymnasiums guter altösterreichischer Tradition, über 12 Jahre als Obmann des parteiunabhängigen Verbandes der Professoren Österreichs (VPÖ), hatte der Germanist und Altphilologe vielen seiner Schüler die Liebe und Begeisterung für die Größen der klassischen deutschen Literatur mit auf den Lebensweg gegeben.

Auf einer Griechenlandreise lernte er seine gleichaltrige Frau Herlinde kennen, die er 1958 heiratete. Dieser 63 Jahre währenden Ehe entsprangen zwei Kinder und sechs Enkelkinder.

Nach seiner Pensionierung 1989 begann für Walter Marinovic ein fast dreißigjähriger „Unruhezustand“. Er verfaßte zahlreiche Artikel,  in konservativen und nationalen Zeitschriften. Ebenso stand er immer wieder Rede und Antwort in den nationalen Zeitungen und Zeitschriften.

Auf seiner „Wanderschaft“ als Referent – er hielt bis zu seinem Tod über 500 Vorträge – bereiste er ganz Österreich, ganz Deutschland und natürlich auch unsere schöne Schweiz. Bei der Avalon-Gemeinschaft sprach Walter Marinovic über Themen wie Schiller, Türkensturm einst und jetzt, 2009 – zweitausend Jahre Deutsche Geschichte, begeisterte er uns immer wieder mit seinen Vorträgen und persönlichen Gesprächen.

Wenn Walter Marinovic zu uns reiste, so verbrachte er stets mehrere Tage bei uns. Wir nutzen diese Gelegenheiten immer wieder für interessante Gespräche, kulturelle Ausflüge und natürlich das persönliche Kennenlernen. Über mehrere Jahre hinweg besuchten einige Avalon-Mitglieder auch das Kulturwerk Österreich, wo Walter Marinovic lange das Amt als Obmann innehatte, auf dessen Veranstaltungen im Herbst.

Walter Marinovic war ein Mann, auf den der Spruch „viel Feind viel Ehr“ in besonderer Weise zutraf. So wurde er vom politischen Gegner „Österreichs aktivster Kulturkämpfer“ genannt. Doch nicht bloße Angriffslust – die er freilich mit der Feder wie der Sprache meisterlich und unerschrocken umzusetzen wußte – trieben ihn an, sondern auch ein kulturpolitischer Eros, gespeist aus einer tiefen deutsch-klassischen Bildung in Verbindung mit dem früh gewählten Auftrag, sie als Lehrer, Schriftsteller und Redner auch an andere weiterzugeben.

Er war zeitlebens parteiunabhängig, stand aber der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) nahe und durfte 2009 sogar im österreichischen Parlament auftreten, was für gehörigen Wirbel sorgen sollte.

Die Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) zeichnete den Redner auf ihrer Tagung 2016 mit dem nach Ulrich von Hutten benannten „Huttenpreis“ aus.

Walter Marinovic nahm als Pensionist das Ehrenband der akademischen Burschenschaft „Germania“ zu Salzburg auf und bekundete damit seine Verbundenheit mit dem deutsch-freiheitlichen Gesinnungskreis und mit der wehrhaften farbentragenden Studentenschaft. Zeitlebens war dem studierten Pädagogen der Kontakt mit der Jugend wichtig, und viele Heimat- und Kulturfahrten führten ihn gemeinsam mit jungen Landsleuten an deutsche Geschichts-, Gedenk- und Kulturstätten.

Am 10. September 2021, dem 92. Geburtstag seiner Gattin und Lebensstütze Herlinde, verstarb er an den Folgen eines Sturzes in seinem Sommerhaus in Groß-Gerungs. Beim Sturz hatte er sich den Oberschenkelhals gebrochen. Eine zusätzlich im Spital aufgetretene Lungenentzündung beendete sein Lebenslicht für immer.

Mit seinem Tod verstummte eine patriotisch-nationale Persönlichkeit, welche den Geist und den europäischen Menschen in vollem Umfang verkörperte.

 

Wir werden Walter nie vergessen. – Ruhe in Frieden!

 

Die Avalon-Gemeinschaft

 

 

Veröffentlichte Literatur von Walter Marinovic:

– Das Teutsche Nationaltheater

– Linke Kulturpolitik in Österreich

– Diktatur des Häßlichen

– Deutsche Dichtung in Österreich: Schönherr, Weinheber, Waggerl

– Johann Nestroy – ein Zerrissener

– Goethe – Dichter – Naturforscher – Staatsmann

– Kunst oder Antikunst – Von der Diktatur des Häßlichen und dem Aufbruch des Schönen

– Friedrich Schiller – er ist unser!

– Auf rechten Wegen

– Türkensturm – einst und jetzt

– Mit 16 Jahren

– Kornblumen – Georgs Wanderschaft von Südtirol bis Schleswig-Holstein