Buchbesprechung – Philosophie für Neugierige

Die Philosophie ist ein Themenbereich, womit sich eher die Menschen beschäftigen, die einen wissenschaftlichen oder höheren Bildungsstand vorweisen. Es ist ein Thema, welches einem, um es zu verstehen, viel Geduld, Überlegungen und Zeit abverlangt. Abstraktes Denken, oder zumindest für dieses offen zu sein, sowie die Motivation zu haben, in eine neue Themenwelt einzutauchen, ist eine wichtige Voraussetzung, philosophische Werke zu lesen und zu verstehen – die Deutung ist individuell!

Der Autor Werner Kunze eröffnet mit dem Buchtitel «Philosophie für Neugierige – Geist, der die Welt bewegt» dem Leser eine Themenwelt, die, wie er selbst sagt, anspruchsvoll ist, den Horizont erweitert, aber auch humoristisch sei und Glücksgefühle auslösen könne. Ist man erst einmal in der Thematik drin und findet Gefallen an ihr, so lässt sie einen nicht mehr los, ist Kunze der Meinung.

Am Anfang des Buches stellt Kunze gleich die entscheidende Frage: Will man sich mit der Philosophie beschäftigen, oder ist es überhaupt möglich oder nötig, sich bei all diesen Themengebieten, die einen heute tagtäglich in Anspruch nehmen, sich diesen «Brocken» auch noch aufzubürden?

Es ist ja richtig, daß der heutige moderne Mensch viel wissen muß, um mitreden und mitleben zu können… Er muß sich in der Bedienung von Computern, in Fremdsprachen, in der Politik, in der Kunst und Musik, in gesunder Ernährung usw. auskennen. Er muß ein Auto im modernen Verkehr steuern, Formulare ausfüllen, Geld anlegen und mit Behörden umgehen können… Da bleibt für viele kein Raum und keine Zeit mehr für die innere und die geistige Welt der Philosophie… Wer lange lebt und vielseitig interessiert ist, kann sich auch eine Menge Wissen aneignen, aber es wird immer nur ein Teilwissen bleiben.“1

Werner Kunze ist der Ansicht, dass „Die Zeit der Universalgenies ist bekanntlich mit Goethe zu Ende gegangen.“2 Ob dies tatsächlich so ist, darüber lässt sich streiten. Völlig abwegig ist der Gedankengang jedenfalls nicht. Oder wer kann ein aktuelles «Universalgenie» gleich beim Namen nennen? Wird jedenfalls schwierig.

Der Autor Werner Kunze stellt sich ebenso die Frage, ob es ein Europa, wie wir es kennen, ohne (griechische) Philosophie überhaupt geben würde. Es sind natürlich Vermutungen und Überlegungen, beweisen kann er es natürlich nicht, dennoch ist der Gedanke von Kunze nicht ganz irrig: „…Ohne Griechenland und ohne die griechische Philosophie sähe Europa, ja die Welt heute völlig anders aus. Wer hat schon soviel Phantasie, sich Europa ohne das griechische Erbe vorzustellen? Es spricht einiges dafür, daß Europa bis heute vermutlich asiatisch geprägt worden wäre.“3

In einem weiteren Teil geht Werner Kunze der Geschichte der Philosophie nach. Die Entstehung, die geistige Entwicklung, deren prägendste Figuren, aber auch nach seiner Ansicht die im 20. Jahrhundert verflachende und immer kleiner werdende Erscheinung der Philosophie.

Ins Auge springt jedenfalls die Tatsache, daß die Philosophie inhaltlich weitgehend entkernt worden ist. Nachdem Mathematik und Naturwissenschaften die Philosophie schon früher verlassen hatten, spalteten sich jetzt auch Fächer wie Psychologie, Anthropologie, Soziologie und Politologie ab und verselbständigten sich. Besonders folgenschwer war, daß die zum Kerngeschäft der Philosophie gehörende Metaphysik von zwei Seiten angegriffen und weitgehend ins Abseits gedrängt wurde. Einerseits forderte die Naturwissenschaft ihre Deutungspriorität, anderseits duldete die Aufklärung keine weiteren «Nebenbuhler» in Sachen Weltanschauung…“4

Ob Kunze hier mit seiner Erkenntnis, welche bereits fast zwanzig Jahre zurückliegt, richtig lag, möge der Leser dieser Zeilen selbst entscheiden.

In einem weiteren Teil geht Werner Kunze auf die Philosophen der Nachkriegszeit und 2000er Jahre ein. Dabei gibt er kurze Einblicke in die damals bekannten Philosophen wie Walter Schulz (1912–2000) «Philosophie in der veränderten Welt», Hans Blumberg (1920–1996) «Die Genesis der kopernikanischen Welt, Arbeit am Mythos, Lebenszeit und Weltzeit» und Franz Josef Wetz (geb. 1958) «Lebenswelt und Weltall». Ihr Wirken und ihre Werke werden von Kunze in Teilen genauer besprochen und teilweise nur angeschnitten.

Zur Lage der Philosophie und deren Stand in der Neuzeit zitiert er Franz Josef Wetz wie folgt:

Einst war es Sache der Philosophie, sich auf das Ganze im letzten zu besinnen. Solche Aufgabe entspricht kaum mehr dem gegenwärtigen vorherrschenden Selbstverständnis dieser alten Disziplin. Heute fehlt es in der Philosophie nicht nur an Versuchen, sich mit der Frage nach dem Ganzen im letzten zu befassen, es ist auch das Ganze in der Gestalt des physischen Weltalls tendenziell abhanden gekommen, auf das sich eine Letztbesinnung beziehen könnte…“5

Ein weiterer Teil des Buches beinhaltet die Begriffserklärung der Philosophie. Hier lohnt es sich für einen «Neueinsteiger» in die Philosophie genauer hinzuschauen. Nach dem Alphabet geordnete Begriffe werden kurz erklärt, wobei der Leser immer wieder über Begriffe stolpert, welche er im Alltag verwendet, aber seine Deutung und den Sinn oftmals nicht versteht. Hier hat Werner Kunze kurz und knapp Abhilfe geschaffen.

Der letzte Teil ist dann den Philosophen der Geschichte gewidmet. In diesem Teil beschreibt Kunze ihre Lebensläufe, ihre Werke und deren Deutung – aus der Sicht von Kunze natürlich – und gibt dazu Empfehlungen ab, welche Bücher von den jeweiligen Philosophen gelesen werden sollten.

Philosophen wie Sokrates (469–399), Platon (427–347), Aristoteles (384–322), Epikur (347–270), Wilhelm Gottfried Leibniz (1646–1716), John Locke (1632–1714), Jean-Jacques Rousseau (1712–1778), Immanuel Kant (1724–1804), Johann Gottlieb Fichte (1762–1814), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831), Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854), Arthur Schopenhauer (1788–1860), Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844–1900), um nur einige aufzuzählen, werden teilweise etwas genauer unter die Lupe genommen und es folgen ausführliche Berichte über diese.

Werner Kunze zieht in der Schlussbemerkung ein Resümee über die Philosophie. Er stellt zum einen völlig richtig fest: „Die meisten Menschen schrecken vor diesen unwegsamen Pfaden zurück und haben daher entweder keine, oder eine völlig unzureichende, oder eine falsche Vorstellung der Philosophie. Weltfremd, unverständlich ohne Bezug zum praktischen Leben – so sehen die üblichen Etiketten aus, die man der Philosophie anhängt.“6

Dennoch und völlig richtig, gibt Kunze folgende Überlegung zu bedenken: „Philosophen, große zumal, haben mit ihrer Gabe des gründlichen Nachdenkens über die Erfassung komplexer Zusammenhänge stets das Ziel verfolgt, nicht nur eine Deutung der Welt, sondern auch eine Positionierung und sozusagen eine Neujustierung des Menschen vorzunehmen…“7

Dieses Abschlusszitat trifft es wohl am besten, der Philosophie die nötige Bedeutung zu verleihen und den Lesern klar zu machen, welchen Stellenwert die Philosophie in der Geschichte der Menschheit hat. Alleine die Tatsache, daß die Philosophie eigentlich eines der ältesten wissenschaftlichen Fächer ist – und bis heute überlebt hat – zeigt seine wichtige Bedeutung.

Zum Autor:

Werner Kunze, 1927 in Friedrichshafen geboren und dort aufgewachsen. Von 1943 bis 1948 Flakhelfer, Soldat und anschließend Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung aus dieser hat er das Abitur und das Studium in Betriebswirtschaft an der Universität München abgeschlossen und den Abschluss als diplomierter Kaufmann. 35 Jahre lang in leitenden Funktionen bei einem deutschen Unternehmen der Öl- und Gasindustrie im In- und Ausland tätig.

Aus seiner Feder stammt u. a. auch das Buch:

Die blockierte Gesellschaft – Die deutsche Jahrhundertkrise und ihre Überwindung (2005) Grabert-Verlag

1  Werner Kunze, Philosophie für Neugierige, Grabert-Verlag, Tübingen 2007, S. 22+23

2  Ebenda, S. 23

3  Ebenda, S. 37

4  Ebenda, S. 107

5  Ebenda, S. 127 (zitiert Franz Josef Wetz)

6  Ebenda, S. 405

7  Ebenda, S. 405