Reisebericht Libanon Teil 1

Los ging es an einem späten Sonntagabend im April, die Landung in Beirut dann um 0230. Weite Wege sind zu gehen, grosse Schlangen vor der Passkontrolle. Endlich sind wir dran, der Pass wird akribisch durchgeblättert; ein israelischer Stempel würde Einreiseverbot und evtl. sogar Haft bedeuten, bei unserer Gruppe aber natürlich kein Problem… Draussen angekommen, wartete schon unser Chauffeur der uns ins Hotel brachte. Zu sehr später Stunde angekommen, gingen wir nach dem Einchecken noch kurz an die Hotelbar und genehmigten uns ein „Almaza“, das bekannteste libanesisches Bier. Danach endlich ins Zimmer und den wohlverdienten Schlaf geniessen.

Am Montag wurde nach dem Frühstück erstmal die nähere Umgebung erkundet und ein ausgiebiger Spaziergang an der Küste gemacht. Abends ein gemütliches Restaurant besucht und den Tag schön ausklingen lassen.

Am Dienstag ging es auf die erste Tour: Erstes Ziel war die Tempelruine von Eshmoun. Hier die Geschichte dazu:

Der Tempel liegt weniger als eine Stunde Fahrzeit von Beirut entfernt in einem üppigen Tal voller Zitrusfrüchte. Diese Stätte am Awali Fluss, 1 km vor Saida (Sidon), ist in der Region als „Bustan el-Sheik““, Garten des Scheichs, bekannt. Die Tempelanlage Eshmoun, dem Gott der Heilkunde gewidmet, ist die einzige phönizische Stätte im Libanon, bei der mehr als nur die Fundamente erhalten sind. Im 7. Jh. v. Chr. wurde mit dem Bau des Tempels begonnen, der in den folgenden Jahrhunderten mehrfach Ergänzungen erfuhr – viele von ihnen erst lange Zeit nach der phönizischen Ära, so die römischen Kolonnaden, die Mosaike sowie ein Nympheum und sogar eine byzantinische Kirche, deren Fundamente noch zu sehen sind. All das bezeugt die anhaltende Bedeutung dieser Stätte.

Eshmoun Tempelanlage

Die Legende will es, dass Eshmoun, ein junger Mann aus Beirut, ein begeisterter Jäger war. Die Göttin Astarte verliebte sich in ihn. Doch um sich ihrer Werbung zu entziehen, fügte er sich Verstümmelungen zu, an denen er starb.

Das mochte sie nicht hinnehmen und brachte ihn wieder zurück ins Leben, jetzt aber als Gott. Es wird gesagt, dass in dem Dorf Qabr Shmun nahe Saida die Erinnerung an das Grab des jungen Gottes lebendig ist. Ursprünglich war Eshmoun bekannt als Heilgott, aber sein Tod und seine Wiedergeburt verliehen ihm die Eigenschatten eines Fruchtbarkeitsgottes, der jährlich stirbt und wiedergeboren wird.

Als Gott der Heilkunde wurde Eshmoun mit Asklepios (Äskulap), dem griechischen Gott der Heilkunst, gleichgesetzt, dem auch die heutige Schlange und der in die Achsel gestützte Stab als Symbol zugeordnet wurden. Das moderne Symbol für die Medizin, der von zwei Schlangen umwundene Stab, geht darauf zurück.

Der Stab ist auf einer (in der Nähe des Tempels gefundenen) goldenen Tafel des Eshmoun und der Gesundheitsgöttin Hygeia zu sehen. Eshmoun hält in seiner rechten Hand einen Stab, um den sich eine Schlange windet. Außerdem ist eine Münze aus dem 3. Jh. vorhanden, auf der Eshmoun von zwei Schlangen umgeben dargestellt ist.

Jeder phönizische Stadtstaat hatte seine eigenen Götter, Eshmoun muss einer der Lieblingsgötter von Sidon (Saida) gewesen sein. Der Platz für den Tempel dürfte wegen der Quelle gewählt worden sein, deren Wasser bei den Heilungsriten benutzt wurde. Es war Sitte, dem Gott Statuen darzubringen, die den Namen von Geheilten trugen. Die Tatsche, dass es sich bei den Votivgaben für Eshmoun um Darstellungen von Kindern handelt, mag bedeuten, dass er als Heilgott für Kinder angesehen wurde.

Leider ist die Tempelanlage nicht besonders gut gepflegt. Man darf sich aber sogar auf den Thron setzen und der Eintritt ist frei. Nach etwa 45 Minuten machten wir uns auf den Weg nach Saida, dass nur noch einen Katzensprung entfernt war. Dort besichtigten wir natürlich die obligatorische Wasserburg, die heute noch relativ gut erhalten ist. Auch hier leider Müll im Wasser und in der Stätte selber…

Wenngleich die ältesten Spuren der Besiedelung von Saida, dem antiken Sidon, bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurückgehen, dürften die Anfänge in der Steinzeit (6000-4000 v. Chr.) liegen. Doch erstmals im 14. Jh. v. Chr. fand die Stadt, einst Vasallenkönigreich Ägyptens, in einem Brief ihres Königs Zimrida an Pharao Amenophis IV. (Echnaton, Vater von Tutanchamun) Erwähnung. Einige Jahrhunderte später wird es gezwungen, den Assyrern Tribut zu zahlen.

Auch wenn die einzelnen kleinen Reiche des Küstenstreifens zu Phönizien zusammenfanden, konnte von staatlicher Einheit keine Rede sein – man stritt heftig um die Märkte. Schärfste Konkurrentin Sidons war das nahe gelegene Tyrus. Grundsätzlich unterstützte eine Stadt die Feinde der anderen. Sequenzen von Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt zogen sich durch die nächsten Jahrhunderte – gleichzeitig wurden Purpurherstellung, Schiffbau, Glasindustrie und Bronzeschmiedekunst perfektioniert. Saidas phönizische Epoche begann im 12.-10. Jh. v. Chr. und erreichte ihren Höhepunkt in der Zeit des persischen Reiches (550-330 v. Chr.).

Die Stadt leistete mit Schiffen und Seeleuten der persischen Landmacht wertvolle Hilfe im Kampf gegen die Ägypter und die Griechen, was die Stellung der Könige von Saida stärkte und die Perser bewog, in Saida einen königlichen Garten anzulegen. Zu jener Zeit wurde auch der Tempel von Eshmoun errichtet. In Reichtum, Handel und religiöser Bedeutung muss Sidon alle anderen phönizischen Städte übertroffen haben.

Phönizisches Behältnis im Nationalmuseum Beirut

Die Erzeugung von Glas und des Purpurfarbstoffes waren in der phönizischen Zeit die bedeutendsten Wirtschaftszweige. Der aus den Murexmuscheln gewonnene Farbstoff war so kostbar, dass er als Symbol der königlichen Würde angesehen wurde. Wie die anderen phönizischen Staaten wurde auch Saida das Opfer verschiedener, aufeinander folgender Eroberer. Am Ende der persischen Ära vermochte die Stadt 351 v. Chr. dem Ansturm des persischen Herrschers Artaxerxes III, der auch Ägypten eroberte, nicht zu widerstehen.

Die verzweifelten Sidonier schlossen sich in der Stadt ein und zündeten sie an. Bei dem verheerenden Brand kamen mehr als 40.000 Menschen ums Leben.

Die so geschwächte Stadt leistete dem Triumphzug Alexanders des Großen 333 v. Chr. keinen Widerstand, damit begann Saidas hellenistische Zeit.

Unter den Nachfolgern Alexanders erfreute sich Saida, die heilige Stadt der Phönizier, ziemlicher Freiheit und veranstaltete Spiele und Wettkämpfe, an denen die besten Athleten der Region teilnahmen.

Als Saida wie die anderen phönizischen Städte unter römische Herrschaft geriet, durfte es weiterhin seine eigenen Silbermünzen prägen. Die Römer ihrerseits bauten ein Theater und errichteten andere größere Denkmäler in der Stadt. In der byzantinischen Zeit verwüstete 551 v. Chr. ein großes Erdbeben die meisten phönizischen Städte, und die berühmte römische Rechtsschule aus Beirut fand Zuflucht in dem offensichtlich weniger betroffenen Saida. Im Jahr 636 eroberten die islamischen Truppen die Stadt.

1111, fast fünf Jahrhunderte später, nahmen die Kreuzritter unter dem Grafen Balduin, dem späteren König von Jerusalem, die Stadt ein. Sie war unter den „Franken“ der Hauptort der Grafschaft Sagette, einer der vier Grafschaften des Königreiches Jerusalem.

1187 verloren die Kreuzritter Saida an Saladin, eroberten es aber zehn Jahre später, 1197, zurück.

Saida Kreuzritterburg

Im Hafen von Sidon, dem alten Phönizierhafen, steht die nur noch zum Teil original erhaltene Wasserburg, 1227/1228 für den Aufenthalt Kaiser Friedrichs II. in Windeseile errichtet. Die Kreuzritter wurden 1291 von den Mamelucken endgültig vertrieben. Unter deren Herrschaft folgten neuerlich Jahrhunderte des Wohlstands und der kulturellen Blüte.

Im 15. Jh. war Saida einer der Häfen von Damaskus und erlebte im 17. Jh. eine erneute Blütezeit, als es der damalige Herrscher des Libanon, der Drusenfürst Fachreddin II (1572-1635), förderte und die Christen unter seinen Schutz nahm. Vor allem französische Kaufleute trieben einen lebhaften Handel mit Libanon und Syrien, bis sie 1791 aus der Stadt vertrieben wurden. Der Niedergang des Osmanischen Reiches Mitte des 17. Jh. brachte das Aus für die Handelshäfen mit sich. So sank auch Sidon mehr oder weniger in die Bedeutungslosigkeit.

1837 richtete ein starkes, Erdbeben große Schäden an, 1840 wurde es im Verlauf kriegerischer Unruhen in der Region von einer englischen Flotte beschossen.

Saida Kreuzritterburg Kanonen

Danach führte es bis ins 20. Jahrhundert hinein eine relativ unscheinbare Existenz, entwickelte sich dann aber zu einem wichtigen Mittelpunkt von Handel und Landwirtschaft.

Französische Archäologen unter der Leitung von Ernest Renan führten die ersten wirklich wissenschaftlich Grabungen in der Stadt aus und legten die große Nekropole Magharat Ablun frei.

Zuvor war jedoch schon 1855 im Südosten der Stadt der heute im Louvre in Paris zu sehende Sarkophag des Königs Eshmunasar entdeckt worden.

1937 fand man in verschiedenen Gebirgsortschaften oberhalb von Saida Gräber aus der Mittleren Bronzezeit, und eine Reihe von systematischen Erforschungen wurden in und bei Saida vorgenommen.

Die Wasserburg

An der Seepromenade und unweit der Zaatari Moschee liegt eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, das 1227/1228 zur Verteidigung erbaute Seekastell.

Es ist heute erreichbar über eine auf Pfeilern ruhende, 80m lange Steinbrücke. Die ursprüngliche Brücke war aus Holz, damit sie jederzeit zerstört werden konnte, um den Angreifern den Zugang zur Festung unmöglich zu machen.

Zum Bau dieser Kreuzfahrerburg wurden auch Steinplatten und Säulenbasen aus römischen Bauwerken in die starken Außenmauern eingebaut – nähert man sich der Burg, fallen die Querschnitte der verwendeten Säulen sofort ins Auge. Die zwei Türme waren durch eine heute teilweise zerstörte Mauer verbunden. Der nordöstliche Turm, gegenüber dem Eingang zur Festung ist rechteckig und misst 21 x 17 m. Die waagerecht integrierten römischen Granitsäulen sollten die Turmmauern verstärken.

Der südwestliche Turm stammt nur in seinem unteren Teil von den Kreuzfahrern und in seinem oberen Teil aus der Mamelukkenzeit. Dies wird durch eine Inschrift auf dem Marmorstein bestätigt, welche sich oberhalb des auf den Innenhof blickenden Fensters befindet. Beachtenswert ist die östliche, halbrunde, zur Stadt hinschauende Mauer mit ihren zahlreichen kleinen Fenstern und Schießscharten. Der westliche Turm ist der besser erhaltene. Die Mamelukken schleiften nach dem Abzug der Kreuzfahrer das Seekastell und auch andere Seefestungen, um zu verhindern, dass die Kreuzritter an der Küste wieder Fuß fassen könnten.

Auf dem nordöstlichen Turm steht eine osmanische Moschee mit einem rechteckigen überkuppelten Raum und einem Mihrab (Gebetsnische).

Die Seefestung war im mittelalterlichen Sidon Zeugin vieler Kriege und Zerstörungen und wurde im Laufe der Zeit zu einem Symbol für die Widerstandskraft der Stadt. Die Wasserburg wurde mehrfach restauriert, vor allem aber durch Emir Fachhreddin Maan (1572-1635).

Nach der Besichtigung ging es weiter die Küstenstrasse entlang nach Tyrus, um auch dort die phönizische Tempelanlage anzuschauen.

Tyrus

Das phönizische Tyros war die Königin der Meere, eine Inselstadt von ungeahnter Pracht. Ihre weit entfernten Kolonien, ihre Glasindustrie, die Purpurfärberei, ihr blühender Seehandel machten Tyros zu einer wohlhabenden Stadt, deren Reichtum wiederum die Begehrlichkeit und den Neid mächtiger Eroberer erregte, unter ihnen König Nebukadnezar II. von Babylon und Alexander der Große.

Die Gründung von Tyros geht in die Anfänge des 3. Jahrtausends zurück. Im Alten Testament wird es bereits mehrfach als große Stadt erwähnt, ebenso in der Korrespondenz von Tell el Amarna, in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. Seine große Zeit hatte Tyros als Handelsmetropole ab den Ramsessiden im 12. Jh. v. Chr. Die Ausdehnung des mächtigen phönizischen Einflussbereichs begann um 814 v. Chr., als Tyros Cádiz an der spanischen Atlantikküste und Karthago in Nordafrika gründete. In der Folge entstanden rund um das Mittelmeer und am Atlantik weitere Kolonien, der Seehandel blühte.

Aber Wohlstand und Macht schaffen sich ihre eigenen Feinde: Im 6. Jh. v. Chr. belagerte der babylonische König Nebukadnezar II. dreizehn Jahre lang die durch eine Stadtmauer geschützte Inselstadt – im Jahre 568 v. Chr. ergab sich Tyrus.

Im Jahr 332 v. Chr. wandte sich Alexander der Grosse gegen das persische Reich und bemühte sich zunächst, die strategisch wichtige Position an der Küste des östlichen Mittelmeeres zu neutralisieren, damit ihm die Perser bei seiner Expedition nicht die Versorgung aus Griechenland abschnitten. Er griff Tyros an, das zunächst sieben Monate lang seiner Belagerung widerstand, bis er einen Damm in Richtung der Inselstadt baute. Von dort aus zerstörten dann seine Belagerungsmaschinen die Stadtbefestigung und konnten den Truppen den Weg in die Stadt ebnen.

Es wird berichtet, dass die hartnäckige Verteidigung der Tyrener Alexander so zornig gemacht hatte, dass er die halbe Stadt zerstören ließ. Deren 10.000 Einwohner wurden entweder getötet oder in die Sklaverei verkauft.

Mit dem antiken Syrien fiel 64 v. Chr. auch Tyros unter römische Herrschaft. Jedoch durfte es weiterhin seine eigenen Silbermünzen prägen. Die Römer errichteten hier zahlreiche bedeutende Denkmäler, darunter auch einen Aquädukt, einen Triumphbogen und den größten Pferderennplatz der Antike.

Tyros wird ebenfalls im Neuen Testament erwähnt. In der byzantinischen Epoche war die Stadt Sitz eines Erzbischofs, der gleichzeitig das Primat aller Bischöfe in Phönizien hatte. In Tyros fanden drei Konzilien statt, möglicherweise wurde hier die erste Kathedrale der Christenheit gebaut.

Die Stadt erlebte in dieser Zeit eine zweite Blütezeit, wie es die Ruinen seiner Bauwerke und die Inschriften in der Nekropole bezeugen. Dem Ansturm der islamischen Armeen setzte die Stadt keinen Widerstand entgegen und ihr Wohlstand dauerte auch unter den neuen Herrschern an.

Die Ausfuhr von Zucker sowie von Glaswaren und Perlen blühte. Mit dem zunehmenden Verfall des fatimidischen Kalifats konnte Tyros unter der Dynastie der Bani ‚Aqils, Vasallen der ägyptischen Fatimiden, seine Unabhängigkeit ausbauen. Während dieser Periode wurde die Stadt mit Brunnen geschmückt und die Basare waren voll von Waren aller Art und Herkunft, darunter Teppiche, Gold – und Silberschmuck. Dank seiner starken Befestigungen widerstand Tyros bis 1124 den Angriffen der Kreuzritter, deren Herrschaft nach rund 180 Jahren die Mamelukken im Jahre 1291 ein Ende bereiteten.

Zu Beginn des 16. Jh. ging die Macht an die Osmanen über, die sie bis zum 1. Weltkrieg behielten, mit dessen Ende Tyros in die neue libanesische Nation integriert wurde.

Seit fast 50 Jahren führt die libanesische Altertumsverwaltung in Tyros Ausgrabungen durch, bei denen man sich vor allem auf die römischen Stätten in der Stadt konzentrierte, die man heute sehen kann.

Der bedeutendste archäologische Fund in jüngster Zeit ist ein phönizischer Friedhof aus dem 1. Jahrtausend v. Chr., der bei geheimen Ausgrabungen entdeckt wurde und der erste seiner Art im Libanon ist.

Begräbniskrüge, Stelen mit Inschriften und Schmuck gehören zu den Fundgegenständen.

Die Bedeutung der Stadt und ihrer Denkmäler wurde 1979 von der UNESCO gewürdigt, als sie Tyros als Weltkulturerbe einstufte.

In der Zwischenzeit haben Bemühungen der Regierung weitgehend die in den Kriegsjahren üblich gewordene Plünderung der archäologischen Stätte unterbunden, denn wirtschaftlicher Notstand in der Region und internationaler Nachfrage nach Antiquitäten haben dem Tyros des Altertums schweren Schaden zugefügt.

umfasst die phönizische Insel mit einem weiten Gebiet voller ziviler Bauten, Kolonnaden, öffentlicher Bäder, mosaikgeschmückter Strassen und einer rechteckigen Arena.

Die Säulen, unweit des Strandes am Ende des Geländes gehörten zu einer Palästra, einem Gymnasium, dem Trainingszentrum der Athleten. Andere ausgegrabene Ruinen stammen aus der hellenistischen, der römischen und der byzantinischen Zeit. In kurzer Entfernung von der Küste sind die großen Wellenbrecher und Molen des so genannten „Ägyptischen Hafens“ aus der Zeit der Phönizier zu sehen. Der Hafen wurde so genannt, weil man dort aus nach Süden, d.h. Richtung Ägypten blickt.

liegt mit seiner Hauptsehenswürdigkeit, der Kreuzfahrerkathedrale, fünf Minuten westlich. Nur die untersten Fundamente und eine Reihe wieder aufgestellter Granitsäulen sind intakt und sehr eindrucksvoll. Die darunter befindliche archäologische Schicht weist ein Netz römischbyzantinischer Strassen und anderer Einrichtungen auf.

Tyros Nekropole

Auch die Fundamente einer byzantinischen Kirche wurden freigelegt. Der Bogengang überspannt die römische Strasse, die in die antike Stadt führte und an der entlang ein Viadukt verläuft, der die Stadt mit Wasser versorgte.

Südlich der Nekropole befindet sich das 1967 freigelegte und seitdem teilweise restaurierte römische Hippodrom. Die 480 m lange Anlage fasste 20.000 Zuschauer, die den dramatischen Wagenrennen beiwohnen wollten, bei denen der Tod immer wieder herausgefordert wurde. Jedes Ende der Rennstrecke war durch noch sichtbare, steinerne Wendepunkte (metae) gekennzeichnet.

Die Wagenlenker mussten siebenmal die Rennbahn bewältigen, deren gefährlichstes Moment die Umrundung der Wendemarken bei höchster Geschwindigkeit war, was oft zu spektakulären und manchmal auch tödlichen Stürzen führte.

Der Spaziergang zum Bereich III führt durch ein Wohnviertel von Tyros, genannt Hay er-Raml, d.h. das Sandviertel, denn man befindet sich auf dem Damm, den Alexander der Große anlegen ließ, um Tyros endlich zu bezwingen. Angeschwemmter Sand und Steine haben die Fläche dieses Dammes so groß werden lassen, dass der heutige Besucher den Eindruck bekommt, die Stadt wäre auf einer Halbinsel gebaut.

Nach der ausgiebigen Begutachtung der riesigen Anlage, ging es zum wohlverdienten Mittagessen ins „Rest House“, direkt am wunderschönen Strand. Ich bestellte mir auf Richards empfehlung hin „Shish Taouk“, in Milch eingelegtes Pouletfleisch. Wir wurden sehr freundlich bedient, abgesehen vom öffnen der Rotweinflache: Der Kellner brach den Korken ab… Der zweite Kellner sprach dann sogar einigermassen gut deutsch; er habe zwei Jahre in Frauenfeld gearbeitet…

Weiter ging die Fahrt nach Süden, Richtung Zionistenstaat. Im Südosten geht dann eine Strasse direkt der Grenze entlang. Man sieht überall UN-Fahrzeuge aus diversen Nationen. Als wir dann haltgemacht haben, waren ausschliesslich Indonesier dort. Wir haben uns ein wenig auf Englisch unterhalten und ein paar Fotos gemacht. Was auch auffiel: Es ist ganz klar Hisbollah-Gebiet. Überall riesige Bilder von Märtyrern, Hisbollahflaggen und ab und zu die Zahl „88“, was dies wohl bedeutet?

Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Ruine „Beaufort“, auf Arabisch „Qalaat al-Shaqif Arnun“. Richard erzählte uns, dass während der Israelischen Besatzung im Libanon in dieser Burg gefangene Hisbollah-Kämpfer gefoltert wurden.

Information

7 km südwestlich von Nabatiye liegt Amoun, zu Füßen eines Hügels, der die Region überragt und die Strasse zwischen der Südbeka’a und Damaskus kontrolliert. Die arabischen Reisenden nannten die auf dem Hügel errichtete Festung Shqif Amoun (Shqif bedeutet in Syrisch „hoher Felsen“), während sie durch die westlichen Reisenden als Belfort oder Beaufort bekannt wurde. Auf den ersten Blick erscheint sie fast unzugänglich, kann aber über das Dorf Amoun leicht erreicht werden. Vor der Zitadelle finden sich eine große Wasserzisterne und die Ruinen eines Dorfes aus der Zeit der Festung.

Es gibt nichts Greifbares, was erlauben würde, die Erbauungszeit und die Erbauer zu bestimmen. Wilhelm von Tyrus (1130-1186, Erzbischof von Tyrus) schreibt die Burg den Kreuzfahrern zu, aber für viele andere stammt sie aus römischer oder byzantinischer Zeit. Das Bauwerk dürfte von den Arabern restauriert und vergrößert worden sein, während es die Kreuzfahrer zur bedeutendsten Festung im Libanon ausgebaut haben.

Der Kreuzritterkönig von Jerusalem, Foulques von Anjou, eroberte die Festung vom arabischen Gouverneur von Damaskus und übergab sie 1138 den Kreuzrittern von Sidon. Fünfzig Jahre später belagerte Saladin die Burg und konnte sie nach zweijähriger Belagerung 1190 einnehmen. Dank eines Abkommens kehrte die Festung 1240 in den Besitz der Kreuzfahrer zurück. 1260 erwarben die Tempelritter die Burg von dem Herrn von Saida, aber bereits 1268 fiel sie in die Hände des Mameluken Sultans Al Zahir Baybar. Zuvor hatten die Tempelritter dort eine kleinere Festung, die Neue Burg, errichtet. Anfang des 17. Jh. wurde sie von Fachreddin restauriert, aber kurze Zeit später von Hafez Pascha belagert, Gouverneur von Damaskus, der sie teilweise mit seiner Artillerie zerstörte.

In den späten 1970er Jahren, während der Libanesische Antikendienst begann, die Zitadelle zu restaurieren, mussten die Arbeiten wegen der wiederholten Bombardierungen durch die israelische Luftwaffe abgebrochen werden. Seit 1982 lag es in dem von den Israelis besetzten Grenzgebiet. Erst seit Mai 2000 ist die Festung für Besucher wieder geöffnet.

Die Festung wurde auf einem Felsenhügel in einer Höhe von 710 m ü.d.M. errichtet. Die topographischen Bedingungen haben den Erbauungsplan entscheidend beeinflusst und zu einem fast rechteckigen Grundriss geführt. Auf der Ostseite überragt die Burg das 300 m tiefe Tal des Litani-Flusses, auf den anderen drei Seiten ist sie von einem Wassergraben umgeben.

Trotz des so schlechten Erhaltungszustands sind die wesentlichen Elemente der Burg noch vorhanden und lassen sich bestimmen. An beiden Enden der recht gut bewahrten südlichen Mauer steht ein sehr ansehnlicher Turm. Die Mauer selbst ruht auf einer Abdachung mit flachen, geglätteten Steinen rings um die Felsenplattform, auf der sich die Festung befindet. Von ihren ursprünglich drei Stockwerken ist das obere gänzlich zerstört. Der Haupteingang, der zum Erdgeschoss führt, befindet sich auf der Ostseite der Anlage und wird durch drei Türme geschützt, auf denen eine größere Zahl von Verteidigern postiert werden konnte. Ein weiterer Eingang in der südöstlichen Ecke führt zum oberen Stockwerk, während man durch den dritten Eingang im Südwesten, der von Pechnasen überragt wird, in den zentralen Innenhof gelangt. Innerhalb der Festung ist fast nichts erhalten, abgesehen von der östlichen Mauer sowie Eingang und Treppe zu einem großen Turm in der Mitte der restlichen Seite. Bei dem überwölbten Bauwerk, das man auf der Ostseite bemerkt, könnte es sich um eine Kirche oder eine Versammlungshalle aus dem 13. Jh. handeln. Auf der Nordseite kann man die Reste zweier Türme erkennen sowie eine große Zisterne, die einen Teil des die Festung umgebenen Wassergrabens einnimmt.

Gegen 1900 war unsere Gruppe wieder im Hotel in Beirut und man machte sich gemeinsam auf den Weg in die „Hamra“, DIE Hauptstrasse in Beirut, zum leckeren Abendessen.

 

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