Mut zur Geschichte

Geschichte ist das Fundament jeder Nation und die Seele, die sie am Leben hält. Die Geschichte zeigt den Weg, den jedes Volk gegangen ist, und warum es dort steht, wo es zu einem bestimmten Zeitpunkt steht. Geschichte ist immer auch nicht unpolitisch. Jedes geschichtlioche Ereignis ist mit politischem Handeln verbunden, sei dieses kreigspolitischer, rassenpolitischer oder diplomatischer Art.

Die Geschichte ist ein Fundament unserer Weltanschauung. Sie hat die Aufgabe, uns den Sinn unseres Tuns zu zeigen, und dafür zu sorgen, dass wir auch in Zukunft an unsere Sache glauben. Die Geschichte darf nicht in Vergessenheit geraten, denn wir sind ein Teil der Geschichte.

Was bedeutet Geschichte?

Über den Begriff Geschichte gibt es einige Erklärungen. Der Volks-Brockhaus aus dem Jahre 1958 gibt darüber wie folgt Auskunft: Geschichte, 1) „der Geschehenszusammenhang, in dem die Menschheit als ganze, oder ein Kulturkreis, ein Staat, ein Volk, eine Stadt erwachsen ist und sich verändert hat.“

Geschichte wird weiter wie folgt definiert: Geschichte ist grundsätzlich alles, was geschehen ist, aber nur der Mensch hat Geschichte, er ist ein geschichtliches Wesen, weil er die Veränderung und mit ihr die Vergänglichkeit von allem, was ist, reflektiert. Dabei mag ein antiquarisches Interesse mitspielen, das gibt aber nicht den Ausschlag. Die Beschäftigung mit der Geschichte hatte immer – auch als sie vom Mythos noch kaum unterschieden war – einem Erkenntnisinteresse gedient, das über das Anekdotische hinausreichte. Die Geschichte bietet Individuum und Gemeinschaft die Möglichkeit, einen Begriff von sich selbst zu schaffen, Konturen der Identität zu bestimmen, indem das, was man ist, erklärt wird durch die Art und Weise seines Geworden-Seins.“ 1

Ausführlicher und besser kann man den Begriff der Geschichte nicht auf den Punkt bringen. Die Geschichte dient dazu, zu verstehen, warum die Dinge heute so sind wie sie sind. Und deshalb ist die Geschichte außerordentlich wichtig: Sie soll der nachkommenden Generation helfen zu begreifen und zu wissen, wie die Entwicklung der Welt vor sich geht und gegangen ist.

Der Kulturphilosoph und konservative Kulturkämpfer Alain de Benoist äußert sich wie folgt zum Begriff der Geschichte: „Die Geschichte im Sinne des Wissens über die Vergangenheit, also die Historiographie, kam zunächst im Griechenland des 5. Jahrhunderts v. d. Ztw. mit Herodot und Thukydides auf. Sie setze sich mit Polybios fort, damit Sallust, Titus Livius, Tacitus, Lukian von Samosata usw. Herodot der als «Vater der Geschichtsschreibung» (Pater historiae) gilt, beschränkte sich darauf, Geschehnisse (Historien) zu erzählen, «damit die Taten der Menschen nicht durch die Zeitläufe vergehen». Thukydides wiederum erhob als erster die historische Methode, bislang eine bloße Angelegenheit des Gedächtnisses, zu einer Suche nach der Wahrheit – was die kritische Untersuchung der Quellen bedingte.

Im Bereich der Ideen hat sich jedoch erst Ende des 18. Jahrhunderts die Überzeugung vom hauptsächlichen historischen Wesen des gesellschaftlichen Daseins allmählich durchgesetzt.

Der Philosoph Martin Heidegger sollte die Geschichtlichkeit sogar zu einer kennzeichnenden Eigenschaft des menschlichen Phänomens machen, die mit dem klaren Bewußtsein unserer Endlichkeit verbunden ist: Die menschliche Existenz ist in ihrem Wesen selbst historisch. Er sollte übrigens noch eine Stufe weiter gehen, als er nicht etwa von «historischer Wahrheit» sprach, sondern von der «Geschichtlichkeit des Wahren».“ 2

Geschichte als Erbe

Die Geschichte kann als Erbe betrachtet werden. Das Erbe ist die Menge dessen, was von den Vorfahren an die Lebenden weitergegeben wird/wurde. Die Überlieferung von Traditionen, Bräuchen, Festen usw. ist nur ein Bestandteil davon. Auch die materiellen Dinge sind ein Erbe der Geschichte einer Familie, eines Stammes oder einer Gemeinschaft. Ebenso kann die Politik ein Erbe hinterlassen, im positiven wie auch im negativen Sinne. „Alle traditionalen Kulturen waren der Überzeugung , daß man sich diesem Erbe gegenüber pietätvoll verhalten müsse, da es sich nicht nur um materielle Güter, sondern auch um die damit verbundenen Werte handele: das Erbe verpflichtet.“ 3

Wir leben, um zu hinterlassen“

(Arthur Moeller van den Bruck)

Mut zur Geschichte

Gerade in der heutigen Zeit braucht es wieder bzw. noch mehr Mut zur Geschichte. Egal wie sie sich in der Vergangenheit verhalten hat, ob negativ oder positiv, man muß zu ihr stehen.

Selbst wenn die einzelnen Geschichtsepochen als „Mythos“ oder als „nicht gesichert“ gelten, die Erzählungen geben einem Volk den nötigen Halt und ein Fundament für die Geschichte, welche die Volksseele am Leben hält. Soll die Geschichte weiterleben, so müssen wir uns zu dieser bekennen, mit all ihren Schatten- und Sonnenseiten. Das Bekenntnis zur Geschichte ist keine Schande, vor allem für uns Europäer nicht. Wir haben uns nicht nur Schuld aufgeladen, wir haben der Weltgeschichte auch viel gegeben; wir haben den Lauf der Geschichte wesentlich mitgestaltet und für ihre Entwicklung gesorgt. Und darauf können wir sehr stolz sein.

Daß wir auf Geschichtsbewußtsein angewiesen sind, um urteilen, entscheiden, handeln zu können, daß es ohne Geschichtsbewußtsein weder eine soziokulturelle noch politische Selbstbehauptung gibt, ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Moderne. Aus diesem Grund muß auch die Geschichte immer wieder neu gesichtet und geschrieben werden. Jede Zeit ist dazu gezwungen, ihr eigenes Verhältnis zur Historie zu entwickeln, aus ihren Nöten und Problemen, aus ihrer Grundhaltung heraus. Sonst bekommt sie keinen festen Boden unter die Füße. Deshalb zerstören alle diejenigen, die unser Geschichtsbewußtsein verrotten lassen oder absichtlich verwüsten, die Wurzeln unserer Existenz.“

(Hellmut Diwald)

1 Staatspolitisches Handbuch, Band 1: Leitbegriffe, herausgegeben von Erik Lehnert und Karlheinz Weißmann, Schnellroda 2009, Edition Antaios, S. 65

2 DGG, Heft 3/2015, Wozu dient Geschichte, von Alain de Benoist, Tübingen 2015, Grabert-Verlag, S. 30

3 Staatspolitisches Handbuch, Band 1: Leitbegriffe, herausgegeben von Erik Lehnert und Karlheinz Weißmann, Schnellroda 2009, Edition Antaios, S. 45